Interview mit Gabriele Bräutigam

Gabriele Bräutigam im Garten

Hallo Gabriele, du giltst als wahre Wildkräuter-Expertin. Was hat dich dazu gebracht, dich so intensiv mit unseren heimischen Kräutern zu beschäftigen?

Als kleines Kind war ich viel mit meiner Oma im Garten. Und während sie Kräuter pflückte, kochte ich im Sandkasten „Unkrautsuppe“. Dann war lange Jahre Pause – die Faszination aber blieb. Auch als Studentin habe ich mir Kräuterbücher gekauft. Als wir dann hier aufs Land in die Oedmühle zogen, waren die Kräuter auf einmal alle „von Natur aus“ da. Trotzdem wollte ich zunächst hier am kühlen Mühlbach zunächst einen englischen Rosengarten anlegen. Und scheiterte grandios. Und so hab ich mich gefragt: Ok – wenn hier nicht geht, was ich will – was will die Natur? Sie wollte einfach seine gigantische Wildpflanzenvielfalt leben… ☺

Bislang hast du 3 Bücher veröffentlicht. Warum hast du der Brennnessel ein eigenes Buch gewidmet?

Die Brennnessel gilt als Königin der Heilpflanzen. Sie wirkt durch alle Körpersysteme. Wird traditionell empfohlen als blutreinigend, vitalisierend, entzündungshemmend. Als Schönheitstonikum, Aphrodisiakum und Kraftfutter. Als Haarwuchsmittel, bei Gicht und rheumatischen Erkrankungen, Hautproblemen, Eisenmangel, zur Förderung von Milchfluss und Potenz … Alle (!) Pflanzenteile sind essbar. Und sie schmeckt. Sie wächst in der gesamten nördlichen Hemisphäre: es gibt also eine Vielzahl von Rezepten und durch alle Länder: Deutschland, Frankreich, Italien, England, Russland, Türkei, Persien… Das Buch sollte erst 98 Seiten haben. Es sind 180 Seiten geworden. Und eigentlich könnte ich noch eine Fortsetzung schreiben…

Die Brennnessel hat eine Jahrtausende alte Tradition. Warum ist gerade heute, im Zeitalter des Internets, ihr Potenzial vielen Menschen unbekannt?

Fast jeder hat sich als Kind mal an einer Brennnessel gebrannt. Aber wie sagte Pfarrer Kienzle so schön „Und wäre sie nicht so wehrhaft, sie wäre längst aufgegessen.“ Aber es gibt natürlich auch historische Gründe. Für die Kriegsgeneration schmeckt die Brennnessel nach Überlebenskampf. Denn gerade die Brennnessel mit ihrem sehr hohen Eiweißgehalt kann einem tatsächlich in Notzeiten retten. Es folgte die Fortschrittsgläubigkeit der Wirtschaftswunderjahre: Die Geburtsstunde der Nahrungsergänzungsmittel. In unserem Dorf sagen die Alten, nach der „Einführung der gesetzlichen Krankenkasse für jeden“ nach dem 2. Weltkrieg ( ! die Geschichtsschreibung datiert die Einführung der Krankenversicherungspflicht durch Bismarck auf den 17.11.1881), wäre man nicht mehr zur Kräuterfrau gegangen. Und so ist das Wissen über die Heilkraft der Pflanzen langsam in Vergessenheit geraten. Was uns täglich umgibt, nehmen wir irgendwann kaum mehr wahr: Der berühmte „Blinde Fleck“. Die Wildkräuter und heimischen Heilkräuter sind für die Wahrnehmung der meisten Menschen so gut versteckt wie das Juwel im Kronleuchter. Es lohnt sich, sie sich zu holen! 
Aber, das Interesse wächst. Meine Bücher mache ich auch darum so besonders schön und einladend, damit man die Wildkräuter mit anderen Augen sieht…

Was glaubst du, ist der Grund dafür, dass Superfoods aus Südamerika oder Indien noch immer populärer sind als unsere heimischen Wildkräuter?

Das ist ein klassisches Wahrnehmungs-Phänomen: Nennen wir es „Urlaubs-Effekt“ oder „Exotismus“. Man stößt auf etwas Neues, jenseits der Alltagsroutine und denkt: WOW – das ist es! Dabei sind unsere heimischen Pflanzen 100% passgenau für das Leben in „unserem Biotop“. Betrachtet man die Brennnessel – Höchstwerte an Eiweiß, Eisen, Silizium, Kalium, Magnesium, antioxidative Flavonoide – ist sie DAS „heimische Superfood“. Und haben eine erstklassige Ökobilanz: Einfach Tür aufmachen, frisch ernten und genießen und kostenlos Vorräte anlegen! Und trotzdem ab und zu Urlaub machen ☺

5. Wo holst du die Ideen für deine vielen, tollen Rezepte her?

Küche, Heilkunde, Reisen, assoziative Experimente im Biotop. Unstillbare Neugier in Bezug auf Unstimmigkeiten: Warum verachten die Menschen z.B. Pflanzen, die sie in der Apotheke als Tee kaufen? Das hat für mich so wenig gepasst, dass es in meine geistige Wiedervorlage kam. Um dort nach 30 Jahren wieder aufzutauchen, nachdem wir in eine alte Mühle mitten in der Natur gezogen waren. Meine Kräuterführer- und Phyto-Ausbildung. Was ich interessant finde: Authentische Wildkräuter-Rezepte finden sich vor allem in abgelegenen Regionen: Dort, wo es einfacher war, die Wildkräuter zu verwenden, als Salat oder Gemüse hinzutransportieren. Südtirol, Schottland, Rumänien, Russland, die oben erwähnte Oma hatte österreichische Wurzeln. Bei mir hat jedes Rezept hat eine Idee bzw. eine Geschichte. Und als gelernte Kulturwissenschaftlerin deklariere ich die Herkunft. So kann man als Leser der Spur folgen und sie selbst weiterentwickeln.

6. Kannst du eine Top 5 der besten heimischen Superfoods nennen?

Brennnessel, Giersch, Apfel (alte Sorten), Hagebutte, Walnuss. Reihenfolge im Jahreskreis. Superfoods heißt für mich „Nahrungsmittel zwischen Rezept & Rezept“, gemäß dem Satz von Hippokrates „Eure Nahrungsmittel sollen Eure Heilmittel sein“

Kanntest du unsere Brennnesselmanufaktur schon, bevor wir dich angesprochen haben? Aber natürlich, oder? 😉

Ja – aus dem Biobereich. Ich hatte gerade die „Wilde Grüne Küche“ geschrieben, es war Februar und unsere regionale Bio-Pionierin Erika Vogel wollte das Buch in einem Einführungs-Vortrag mit Verkostung zum Thema „Brennnessel für Immunabwehr & Anti-Aging“ vorstellen. Die Natur lag noch im Tiefschlaf. Viele Menschen trauen der Brennnessel in freier Wildbahn auch nicht ganz (Hunde, Zecken, Fuchsbandwurm). Auf der Suche nach der passenden „Qualitäts-Brennnessel“ bin ich auf die Wellnessel mit ihren zertifizierten Bio-Brennnesseln gestoßen. Tolles Sortiment!

Vielen Dank Gabriele

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Herbalista

Fotos: Sammy Hart

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